Fünf verschiedene Branchen-Icons verbunden durch ein Netzwerk, symbolisiert verschiedene FuE-Projekte

Forschungszulage Beispiele: 5 echte Projekte, die gefördert wurden

Martin Meng ·
BeispieleFuE-ProjekteBranchenBSFZ

Kurzfassung: Die Forschungszulage ist nicht nur für Labore und Konzerne. Hier sind 5 echte Beispiele aus meiner Beratungspraxis: ein Softwareentwickler, eine Coaching-Methodenentwicklerin, ein Tierarzt, ein Winzer und ein Handwerker. Alle haben die BSFZ-Bescheinigung erhalten. Alle waren überrascht, dass ihre Arbeit als Forschung gilt.

Die häufigste Frage in meinen Erstgesprächen: “Gilt meine Arbeit wirklich als Forschung?” Ja, in den meisten Fällen. Die Forschungszulage fördert nicht nur Grundlagenforschung, sondern vor allem experimentelle Entwicklung: Du kombinierst vorhandenes Wissen auf neue Weise, um ein Produkt, ein Verfahren oder eine Methode zu schaffen, die es so noch nicht gibt.

Hier sind 5 echte Projekte aus meiner Beratung. Alle Angaben sind anonymisiert, die Förderhöhen und Projektbeschreibungen sind real.

Beispiel 1: Freelance-Softwareentwickler baut eigene Analyseplattform

Branche: IT / Software Rechtsform: Einzelunternehmer Laufzeit: 4 Jahre rückwirkend + 3 Jahre prospektiv Förderhöhe: ca. 72.000 EUR (rückwirkend) + ca. 110.000 EUR (prospektiv)

Das Projekt: Ein Freelancer entwickelt neben seinem Auftragsgeschäft eine eigene Plattform. Das System analysiert Nutzungsdaten in Echtzeit und generiert automatisierte Handlungsempfehlungen. Die technische Herausforderung liegt in der Kombination aus Echtzeit-Datenverarbeitung, prädiktiver Modellierung und einer Benutzeroberfläche, die komplexe Ergebnisse verständlich darstellt.

Warum FuE? Bestehende Lösungen wie Google Analytics oder Mixpanel liefern deskriptive Statistiken. Der Entwickler baut ein System, das prädiktiv arbeitet und handlungsorientierte Empfehlungen ableitet. Diese Kombination aus Echtzeit-Pipeline und Entscheidungslogik geht über den Stand der Technik hinaus.

Was viele nicht wissen: Auch Arbeit an eigenen Produkten neben dem Auftragsgeschäft ist förderfähig. Entscheidend ist die Eigenleistung in Stunden, nicht der Umsatz.

Beispiel 2: Coaching-Methodenentwicklung als Forschung

Branche: Coaching / Sozialwissenschaft Rechtsform: Einzelunternehmer Laufzeit: 2 Jahre rückwirkend + 3 Jahre prospektiv Förderhöhe: ca. 71.000 EUR (rückwirkend) + ca. 210.000 EUR (prospektiv)

Das Projekt: Ein Coach entwickelt ein eigenes Zwei-Phasen-Modell, das Elemente aus der systemischen Therapie, Sprachdiagnostik und Körperarbeit kombiniert. Die Methodik wird über mehrere Jahre iterativ weiterentwickelt, an unterschiedlichen Klienten erprobt und systematisch angepasst.

Warum FuE? Bestehende Coaching-Ansätze (GROW-Modell, systemisches Coaching nach SG) arbeiten entweder rein kognitiv oder rein somatisch. Die Integration beider Ansätze in ein strukturiertes Protokoll mit reproduzierbaren Ergebnissen ist methodische Neuheit. Die BSFZ erkennt solche Vorhaben als experimentelle Entwicklung in den Sozialwissenschaften an.

Was viele nicht wissen: FuE ist nicht auf MINT-Fächer beschränkt. Methodenentwicklung im Coaching, in der Pädagogik oder in der Sozialarbeit kann förderfähig sein, wenn sie systematisch, neuartig und mit technischen oder methodischen Risiken verbunden ist.

Beispiel 3: Tierarztpraxis entwickelt eigenes Diagnoseverfahren

Branche: Veterinärmedizin Rechtsform: Einzelunternehmer Laufzeit: 3 Jahre rückwirkend Förderhöhe: ca. 52.000 EUR

Das Projekt: Eine Tierärztin entwickelt ein digitales Befundungsprotokoll, das klinische Untersuchungsergebnisse, Laborwerte und Bildgebung in einem strukturierten Workflow zusammenführt. Das System soll die Behandlungsplanung bei komplexen Fällen (Mehrfacherkrankungen, chronische Patienten) verbessern.

Warum FuE? Standard-Praxissoftware (easyVet, Vetera) bietet Dokumentation, aber keine strukturierte Entscheidungsunterstützung. Die Tierärztin baut ein System, das aus Befundmustern Behandlungspfade ableitet. Die Validierung der Algorithmen an realen Patientendaten ist das wissenschaftliche Risiko.

Was viele nicht wissen: “Ich entwickle das ja nur für meine eigene Praxis” ist kein Ausschlusskriterium. Eigenentwicklungen für den eigenen Betrieb sind förderfähig, solange sie über Routine-Anpassung hinausgehen.

Beispiel 4: Winzer erforscht biologische Pflanzenschutzmethoden

Branche: Landwirtschaft / Weinbau Rechtsform: Einzelunternehmer Laufzeit: 3 Jahre rückwirkend + 3 Jahre prospektiv Förderhöhe: ca. 55.000 EUR (rückwirkend) + ca. 165.000 EUR (prospektiv)

Das Projekt: Ein Winzer entwickelt ein Verfahren zur biologischen Kontrolle von Rebkrankheiten ohne synthetische Fungizide. Er testet systematisch verschiedene Mikroorganismen-Kombinationen (Trichoderma, Bacillus subtilis) an unterschiedlichen Rebsorten und Standorten. Die Herausforderung: Jede Parzelle reagiert anders, und die Wechselwirkungen zwischen Bodenmikrobiom, Klima und Rebsorte sind unvorhersehbar.

Warum FuE? Kommerzielle Bio-Pflanzenschutzmittel sind für Ackerkulturen optimiert, nicht für Steillagen-Weinbau. Der Winzer muss Dosierungen, Ausbringungszeitpunkte und Kombinationen empirisch ermitteln. Das ist experimentelle Entwicklung in den Agrarwissenschaften.

Was viele nicht wissen: Landwirtschaftliche Betriebe können die Forschungszulage beantragen, wenn sie eigene Verfahren entwickeln. Die Kategorie ist “Agrarwissenschaften”, nicht Ingenieurwesen.

Beispiel 5: Handwerker baut eigenes Steuerungssystem

Branche: Handwerk / Automatisierung Rechtsform: GbR (zwei Gesellschafter) Laufzeit: 2 Jahre rückwirkend Förderhöhe: ca. 51.000 EUR (aufgeteilt nach Gewinnverteilungsschlüssel)

Das Projekt: Zwei Handwerker entwickeln ein Steuerungssystem für eine Spezialmaschine, die es so am Markt nicht gibt. Sie kombinieren SPS-Programmierung, Sensorik und eine eigene Regelungslogik, um einen Produktionsprozess zu automatisieren, der bisher manuell ablief.

Warum FuE? Die Einzelkomponenten (SPS, Sensoren, Aktoren) existieren. Die Integration zu einem funktionierenden System mit der spezifischen Regelungslogik für diesen Anwendungsfall ist neu. Das Risiko liegt in der Frage, ob die Regelung unter realen Produktionsbedingungen stabil funktioniert.

Besonderheit GbR: Bei einer GbR wird die Forschungszulage nicht an die Gesellschaft ausgezahlt, sondern an jeden Gesellschafter einzeln, über dessen persönliche Einkommensteuererklärung. Die Aufteilung folgt dem Gewinnverteilungsschlüssel, nicht dem Stundenanteil. Beide Gesellschafter reichen getrennte Steuererklärungen ein.

Was diese 5 Beispiele gemeinsam haben

Keines dieser Projekte sieht auf den ersten Blick nach “Forschung” aus. Kein weißer Kittel, kein Labor, kein Patent. Trotzdem hat die BSFZ alle fünf als Forschung und Entwicklung anerkannt. Der Grund:

  1. Neuartigkeit: Jedes Projekt geht über bestehende Lösungen hinaus, nicht revolutionär, aber nachweisbar anders.
  2. Technisches oder methodisches Risiko: Bei keinem Projekt war der Erfolg vorhersehbar. Es hätte auch schiefgehen können.
  3. Planmäßiges Vorgehen: Alle haben systematisch gearbeitet, mit definierten Schritten und messbaren Zielen.

Das sind die drei Kriterien, die die BSFZ prüft. Nicht mehr, nicht weniger.

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