Forschungszulage für Kapitalgesellschaften
Für eine GmbH, UG oder AG funktioniert die Forschungszulage über die FuE-Personalkosten. Das ist ein anderer Mechanismus als die Eigenleistung bei Einzelunternehmern, und er hat eigene Regeln bei Gesellschafter-Geschäftsführern, KMU-Bonus und der Frage Unternehmen in Schwierigkeiten.
Bemessungsgrundlage: die Personalkosten
Bei einer Kapitalgesellschaft sind die förderfähigen Aufwendungen die Personalkosten für Forschung und Entwicklung: der Bruttolohn der FuE-Mitarbeiter inklusive der Arbeitgeberanteile zur Zukunftssicherung, jeweils anteilig nach dem FuE-Zeitanteil. Es gibt keinen Stundensatz und keinen pauschalen Lohnfaktor. Seit 2026 kommt auf diese Personalkosten eine Gemeinkostenpauschale von 20 Prozent hinzu (§ 3 Abs. 3b FZulG), die auch für Kapitalgesellschaften gilt.
Was zählt zur Bemessungsgrundlage
- Bruttolohn der FuE-Mitarbeiter inklusive Arbeitgeberanteilen, anteilig nach FuE-Zeit
- Gehalt eines angestellten Gesellschafter-Geschäftsführers, wenn fremdüblich und tatsächlich gezahlt
- 20 Prozent Gemeinkostenpauschale auf die Personalkosten (seit 2026)
- Auftragsforschung: 70 Prozent des Entgelts (Beauftragung nach dem 27.03.2024)
Gesellschafter-Geschäftsführer
Das Gehalt eines Gesellschafter-Geschäftsführers zählt zur Bemessungsgrundlage, wenn ein Anstellungsvertrag besteht, das Gehalt fremdüblich und angemessen ist und es tatsächlich gezahlt wird. Bei einem beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführer ist die Angemessenheit entscheidend, sonst kann das Finanzamt eine verdeckte Gewinnausschüttung annehmen. Maßgeblich ist der FuE-Anteil seiner Arbeitszeit. Mehr dazu im Beitrag Gesellschafter-Geschäftsführer und Forschungszulage: die vGA-Falle.
Ein wichtiger Punkt für die Erwartungshaltung: Die Eigenleistungspauschale von 100 EUR pro Stunde gilt laut Gesetz ausdrücklich nur für Einzelunternehmer und Personengesellschaften, nicht für GmbH, UG oder AG. Eine Ein-Personen-GmbH kann daher weniger Förderung erhalten als ein wirtschaftlich vergleichbarer Einzelunternehmer. Die Rechtsform GmbH bedeutet also nicht automatisch mehr Förderung.
Fördersatz, KMU-Bonus und Obergrenze
- Basis-Fördersatz: 25 Prozent der förderfähigen Aufwendungen (§ 4 Abs. 1 FZulG).
- KMU-Bonus: 35 Prozent, sofern die KMU-Kriterien erfüllt sind (unter 250 Mitarbeiter und höchstens 50 Millionen Euro Umsatz oder 43 Millionen Euro Bilanzsumme). Verbundene Unternehmen werden einbezogen, Details im Beitrag 35% nur für KMU, und was verbundene Unternehmen ändern.
- Stichtag 28.03.2024: KMU-Satz von 25 auf 35 Prozent, Bemessungsgrenze von 4 auf 10 Millionen Euro, Auftragsforschung von 60 auf 70 Prozent.
- Stichtag 01.01.2026: 20 Prozent Gemeinkostenpauschale, Bemessungsgrenze von 10 auf 12 Millionen Euro.
Aus der Bemessungsgrenze von 12 Millionen Euro ergibt sich eine maximale Forschungszulage von 4,2 Millionen Euro pro Jahr bei KMU und 3,0 Millionen Euro beim Basissatz. In Konzernstrukturen gilt dieser Höchstbetrag für alle verbundenen Unternehmen zusammen, mehr dazu im Beitrag zur Forschungszulage im Konzern.
Unternehmen in Schwierigkeiten
Für ein Unternehmen in Schwierigkeiten gibt es keine Forschungszulage (AGVO Artikel 1 Abs. 4 Buchstabe c, Artikel 2 Nr. 18). Eine Kapitalgesellschaft gilt als solches, wenn mehr als die Hälfte des gezeichneten Stammkapitals durch aufgelaufene Verluste verloren ist. Maßgeblich ist der Status zum Ende des Wirtschaftsjahres, geprüft durch das Finanzamt bei der Festsetzung. Gerade bei jungen Gesellschaften mit Anlaufverlusten ist das relevant. Heilbar ist die Lage durch eine tatsächliche Eigenkapitalzuführung bis zum Bilanzstichtag. Den ganzen Mechanismus erklärt der Beitrag Unternehmen in Schwierigkeiten: wann die GmbH die Forschungszulage verliert.
Struktureller Vorteil der Kapitalgesellschaft
Die Personalkosten einer Kapitalgesellschaft laufen beihilferechtlich über die Allgemeine Gruppenfreistellungsverordnung (AGVO Artikel 25). Anders als die Eigenleistung von Einzelunternehmern unterliegen sie nicht der De-minimis-Grenze von 300.000 Euro je 36 Monate. Wer also über die Lohnsumme mehrerer FuE-Mitarbeiter hohe förderfähige Aufwendungen erreicht, stößt nicht an diesen Deckel.
GmbH, UG und AG im Detail
Die Grundmechanik ist für alle Kapitalgesellschaften gleich, die Praxis unterscheidet sich aber:
GmbH
Häufigste Form, Fokus auf Gesellschafter-Geschäftsführer und angestellte FuE-Teams.
UG (haftungsbeschränkt)
Gründer und Startups, geringe Lohnsummen, Vorsicht bei Anlaufverlusten.
AG
Größere Strukturen, Vorstand und Forschungsabteilungen.
Eine GmbH & Co. KG ist trotz des Namens keine Kapitalgesellschaft, sondern eine Personengesellschaft. Dafür gibt es die eigene Seite zur Forschungszulage für die GmbH & Co. KG.