Forschungszulage für die OHG
Die Offene Handelsgesellschaft (OHG) ist als Personengesellschaft direkt anspruchsberechtigt für die Forschungszulage (§ 1 Abs. 1 FZulG). Da in der OHG alle Gesellschafter unbeschränkt haften und typischerweise operativ mitarbeiten, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass mehrere Gesellschafter FuE-Stunden einbringen können.
Warum die OHG besonders gut geeignet ist
Die OHG ist die Personengesellschaft der Kaufleute (§ 105 HGB). Anders als bei der KG sind alle Gesellschafter gleichberechtigt und in der Regel operativ tätig. Das ist ein struktureller Vorteil bei der Forschungszulage: Je mehr Gesellschafter aktiv an FuE arbeiten, desto höher die Bemessungsgrundlage.
Beispiel: OHG mit drei Gesellschaftern, Projekt ab 2026
Gesellschafter A: 1.500h
180.000 EUR
Gesellschafter B: 1.200h
144.000 EUR
Gesellschafter C: 800h
96.000 EUR
Forschungszulage (KMU: 35%)
147.000 EUR
Berechnung: (1.500 + 1.200 + 800) × 100 EUR/h × 1,20 (GK-Pauschale) × 35% = 147.000 EUR. Stundenpauschale 100 EUR/h ab 01.01.2026 (§ 3 Abs. 3 FZulG), Gemeinkostenpauschale 20% bei Projekten ab 2026 (§ 3 Abs. 3a FZulG). Förderung wird nach Gewinnverteilungsschlüssel aufgeteilt.
OHG-spezifische Besonderheiten
- Alle Gesellschafter haften unbeschränkt: In der OHG haften alle Gesellschafter persönlich und unbeschränkt (§ 128 HGB). Das geht oft mit aktiver operativer Mitarbeit einher, was für die Forschungszulage ideal ist.
- Handelsregistereintrag: Die OHG ist im Handelsregister eingetragen. Das vereinfacht die Nachweisführung gegenüber BSFZ und Finanzamt.
- Gewinnverteilungsschlüssel: Die Zulage wird nach dem vereinbarten Gewinnverteilungsschlüssel aufgeteilt (BMF-Schreiben v. 07.02.2023, Rn. 254), nicht nach geleisteten FuE-Stunden.
- Angestellte: Neben der Eigenleistung der Gesellschafter sind auch die Personalkosten von Angestellten förderfähig (§ 3 Abs. 1 FZulG). Angestellten-Kosten laufen beihilferechtlich unter AGVO, nicht unter De-minimis.
Für eine umfassende Darstellung der Stundensätze, Stichtage und beihilferechtlichen Einordnung (De-minimis vs. AGVO) siehe die Hauptseite zur Forschungszulage für Personengesellschaften.
Typische FuE-Projekte in OHGs
- Ingenieurbüros: Neue Berechnungsverfahren, Simulationsmodelle, Prüfmethoden
- Handwerksbetriebe: Innovative Fertigungstechniken, Materialentwicklung, Prozessautomatisierung
- IT-Dienstleister: Eigene Plattformen, Frameworks, KI-Anwendungen
- Architektur- und Planungsbüros: Parametrische Entwurfsmethoden, nachhaltige Baukonzepte
- Beratungsgesellschaften: Eigene Analyse-Tools, Methodik-Entwicklung, datengetriebene Beratungsansätze
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