Internationaler Vergleich

FuE-Förderung weltweit: Wo steht Deutschland?

34 von 38 OECD-Staaten fördern Forschung und Entwicklung über das Steuersystem. Deutschland hat die Forschungszulage erst 2020 eingeführt und holt seitdem auf. Was können wir von Frankreich, UK, Österreich und anderen lernen?

34 von 38

OECD-Staaten mit FuE-Steuerförderung

30%

Fördersatz in Frankreich (CIR)

35%

Fördersatz in Deutschland (KMU, ab 2026)

14%

Forschungsprämie in Österreich

FuE-Intensität

FuE-Ausgaben im Ländervergleich

Wie viel ein Land in Forschung und Entwicklung investiert, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, ist ein Indikator für Innovationskraft. Deutschland liegt mit 3,13% über dem OECD-Durchschnitt, aber hinter den Spitzenreitern Israel (5,56%) und Südkorea (4,94%).

IL Israel
5,56%
KR Südkorea
4,94%
SE Schweden
3,64%
US USA
3,44%
JP Japan
3,44%
BE Belgien
3,24%
AT Österreich
3,22%
DE Deutschland
3,13%
CH Schweiz
3,10%
FI Finnland
3,09%
DK Dänemark
3,07%
CN China
2,58%
NL Niederlande
2,30%
FR Frankreich
2,18%
CA Kanada
1,72%
UK Vereinigtes Königreich
1,70%
PL Polen
1,56%
IE Irland
1,54%
ES Spanien
1,49%
IT Italien
1,37%
OECD-Durchschnitt: 2,73%

Quelle: Eurostat, Dataset rd_e_gerdtot, 2023; OECD Main Science and Technology Indicators, 2023. Israel, UK und Kanada: OECD MSTI 2022/2023.

Instrumente und Fördersätze

Wie andere Länder FuE fördern

Die meisten OECD-Staaten nutzen steuerliche Anreize für Forschung und Entwicklung. Die Instrumente unterscheiden sich erheblich: Steuergutschriften, Sonderabzüge, Lohnsteuerermäßigungen oder Barprämien. Ein hoher Fördersatz allein sagt wenig aus, denn Bemessungsgrundlage, Deckelung und Erstattungsfähigkeit unterscheiden sich von Land zu Land.

FR Frankreich
Instrument: Crédit d'Impôt Recherche (CIR)
Fördersatz: 30% (bis 100 Mio. EUR), 5% darüber
Besonderheit: Volumenbasis, erstattungsfähig für KMU, zusätzlich 20% CII für Innovation
UK Vereinigtes Königreich
Instrument: Merged RDEC Scheme
Fördersatz: 20% brutto (netto ca. 15%)
Besonderheit: Seit April 2024 vereinheitlicht, ERIS (27%) für FuE-intensive KMU mit Verlust
NL Niederlande
Instrument: WBSO (Lohnsteuerermäßigung)
Fördersatz: 32% (bis 350.000 EUR), 16% darüber
Besonderheit: Vorab-Genehmigung nötig, Startups: 50% auf erste Tranche
AT Österreich
Instrument: Forschungsprämie
Fördersatz: 14% als Barprämie
Besonderheit: Auszahlung als Steuergutschrift, kein Gewinn nötig, FFG-Gutachten erforderlich
IE Irland
Instrument: R&D Tax Credit
Fördersatz: 30% (ab 2026: 35%)
Besonderheit: Erstattungsfähig in Raten, kombinierbar mit 12,5% KSt-Satz
CA Kanada
Instrument: SR&ED Tax Credit
Fördersatz: 35% für CCPC, 15% für andere
Besonderheit: 35% voll erstattungsfähig für kleine kanadische Privatunternehmen
BE Belgien
Instrument: Lohnsteuerbefreiung + FuE-Abzug
Fördersatz: 80% Lohnsteuerbefreiung für Forscher
Besonderheit: Mehrsäulenmodell: Lohnsteuerbefreiung, Investitionsabzug, Innovationsabzug (85%)
KR Südkorea
Instrument: R&D Tax Credit
Fördersatz: KMU: 25%, Große: 0 bis 2%
Besonderheit: Zusätzlich inkrementeller Kredit bis 50%, höchste staatliche FuE-Förderquote der OECD
DE Deutschland
Instrument: Forschungszulage (FZulG)
Fördersatz: 25% (ab 2026: 35% für KMU)
Besonderheit: Eigenleistung förderfähig, rückwirkend bis 4 Jahre, BSFZ-Bescheinigung nötig
US USA
Instrument: R&D Tax Credit (IRC §41)
Fördersatz: ca. 6 bis 10% effektiv
Besonderheit: Startups können gegen Lohnsteuer verrechnen, komplexe Berechnung, nicht erstattungsfähig
JP Japan
Instrument: R&D Tax Credit
Fördersatz: 2 bis 14% (volumenbasiert)
Besonderheit: Satz steigt mit FuE-Intensität, Obergrenze bei 25% der KSt-Schuld, Open Innovation Bonus

Quellen: OECD INNOTAX Portal, 2024/2025; EY Worldwide R&D Incentives Reference Guide; PwC Tax Summaries; RDP Associates R&D Tax Credits Comparison, 2025. Fördersätze gerundet, Vereinfachungen möglich.

Einordnung

Deutschlands Forschungszulage im Vergleich

Die Forschungszulage ist Deutschlands erstes steuerliches FuE-Förderinstrument. Seit 2020 in Kraft, wurde sie 2024 und 2026 angehoben. Im internationalen Vergleich zeigt sich: Deutschland hat Stärken, die kaum ein anderes Land bietet, aber auch Nachholbedarf.

Was Deutschland besser macht

Eigenleistung wird gefördert

Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen der Eigentümer seine eigene Arbeitszeit als FuE-Aufwand geltend machen kann. In Frankreich, UK oder den Niederlanden zählen nur Personalkosten für Angestellte.

Rückwirkend beantragbar

Du kannst FuE-Projekte bis zu vier Jahre rückwirkend einreichen. In den meisten anderen Ländern musst du Projekte vorab anmelden oder im laufenden Steuerjahr geltend machen.

Keine Mindestgröße, keine Branchenbeschränkung

Die Forschungszulage steht jedem Steuerpflichtigen offen, vom Solo-Selbständigen bis zum Konzern. In vielen Ländern gelten Mindestausgaben oder Branchenfilter.

Rechtsanspruch statt Ermessen

Wer die Voraussetzungen erfüllt, bekommt die Zulage. Es gibt kein Budget, das aufgebraucht sein kann. In vielen Förderprogrammen weltweit entscheidet eine Jury oder ein Budget-Rahmen.

Was andere besser machen

Niedrigerer Fördersatz als viele Nachbarn

Mit 25% (35% für KMU ab 2026) liegt Deutschland unter Frankreich (30%), Irland (30%) oder Kanada (35%). Die Anhebung auf 35% für KMU ist ein Schritt, aber noch nicht auf dem Niveau der Spitzenreiter.

Zweistufiges Verfahren

Das Bescheinigungsverfahren bei der BSFZ und die anschließende steuerliche Geltendmachung beim Finanzamt machen den Prozess aufwendiger als in den Niederlanden (ein Antrag bei der RVO) oder Frankreich (Selbstdeklaration).

Deckelung der Bemessungsgrundlage

Die Forschungszulage ist auf eine Bemessungsgrundlage von 4 Mio. EUR (ab 2026: 12 Mio. EUR) pro Wirtschaftsjahr gedeckelt. In Frankreich gilt die 30%-Rate bis 100 Mio. EUR.

Noch jung und wenig bekannt

Die Forschungszulage gibt es erst seit 2020. Frankreichs CIR läuft seit 1983, das britische System seit 2000. Viele Selbständige in Deutschland wissen noch nicht, dass sie Anspruch haben.

Kontext: Ein direkter Vergleich der Fördersätze greift zu kurz. Frankreichs 30% beziehen sich auf alle FuE-Kosten (Personal, Material, Abschreibungen). Deutschlands 25% (bzw. 35% für KMU) werden auf die förderfähige Bemessungsgrundlage angewendet, die bei Eigenleistung pauschal berechnet wird. Die Niederlande fördern über Lohnsteuernachlass, Belgien kombiniert mehrere Instrumente. Entscheidend ist am Ende, wie viel Euro beim Unternehmen ankommen, und das hängt von der individuellen Situation ab.

Für Selbständige in Deutschland

Was das für dich bedeutet

42 EUR pro Stunde (ab 2026 für KMU) klingt bescheiden neben 30% in Frankreich. Aber der Vergleich hinkt: In Frankreich, UK und den Niederlanden können Solo-Selbständige ihre eigene Arbeitszeit in der Regel nicht als FuE-Aufwand geltend machen. Dort zählen nur Personalkosten für Angestellte.

Die Eigenleistung ist Deutschlands Alleinstellungsmerkmal. Als Selbständiger rechnest du deine eigenen FuE-Stunden ab, pauschal mit 70 EUR/h (bis 2025) bzw. 100 EUR/h (ab 2026), zzgl. 20% Gemeinkostenzuschlag. Das gibt es so in keinem der großen Vergleichsländer.

Rückwirkend bis zu vier Jahre. Wer erst jetzt von der Forschungszulage erfährt, kann Projekte seit 2022 einreichen. In Frankreich muss der CIR im laufenden Steuerjahr deklariert werden, in den Niederlanden braucht die WBSO eine Vorab-Genehmigung vor Projektstart.

Rechtsanspruch statt Ermessen. Die Forschungszulage ist kein Fördertopf mit begrenztem Budget. Wenn dein Projekt die FuE-Kriterien erfüllt, steht dir die Zulage zu. Das macht die Planung verlässlich.

Rechenbeispiel: Selbständiger Softwareentwickler

Eigene FuE-Stunden pro Jahr 1.200 h
Pauschaler Stundensatz (ab 2026) 100 EUR/h
Gemeinkostenzuschlag (20%) x 1,2
Bemessungsgrundlage 144.000 EUR
Forschungszulage (35% KMU-Satz) 50.400 EUR

Berechnung: 1.200 h x 100 EUR x 1,2 GK x 35% = 50.400 EUR pro Jahr. Bei rückwirkender Einreichung für mehrere Jahre potenziert sich der Betrag. Der Förderrechner zeigt dir dein individuelles Ergebnis.

Zum Vergleich: Was bekäme ein Solo-Selbständiger anderswo?

FR

Frankreich: Der CIR fördert keine Eigenleistung. Ohne Angestellte mit FuE-Tätigkeit: 0 EUR.

UK

Vereinigtes Königreich: Das RDEC-Scheme gilt nur für Kapitalgesellschaften. Solo-Selbständige: 0 EUR.

NL

Niederlande: Die WBSO reduziert Lohnsteuer für Angestellte. Solo-Selbständige: eingeschränkt über Abzug vom Gewinn (ca. 12.000 EUR max.).

DE

Deutschland: Forschungszulage mit Eigenleistung: 50.400 EUR im Beispiel oben.

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Quellen und Methodik

FuE-Ausgaben in % des BIP: Eurostat, Dataset rd_e_gerdtot, aktualisiert am 18.03.2026, Daten für 2023. Israel: OECD Main Science and Technology Indicators (MSTI), 2022. UK und Kanada: OECD MSTI, 2022/2023. OECD-Durchschnitt: OECD Science, Technology and Innovation Outlook 2023.

Förderinstrumente und Fördersätze: OECD INNOTAX Portal (stip.oecd.org/innotax), 2024/2025 Edition; OECD R&D Tax Incentives Database, 2025 Edition; EY Worldwide R&D Incentives Reference Guide; PwC Worldwide Tax Summaries; RDP Associates R&D Tax Credits Comparison (2025); WTS Global R&D Tax Allowance in Europe.

Länderspezifisch: Frankreich CIR: Ministère de l'Enseignement Supérieur et de la Recherche. UK RDEC: HMRC R&D Tax Credits Statistics. Niederlande WBSO: Rijksdienst voor Ondernemend Nederland (RVO). Österreich Forschungsprämie: FFG und BMF. Deutschland Forschungszulage: FZulG in der Fassung vom 01.01.2026.

Hinweis: Fördersätze wurden vereinfacht dargestellt. Die tatsächliche Förderung hängt von vielen Faktoren ab (Unternehmensgröße, Rechtsform, förderfähige Kostenarten, Deckelungen). Dieser Vergleich ersetzt keine individuelle Beratung und stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar.