Internationaler Vergleich
FuE-Förderung weltweit: Wo steht Deutschland?
34 von 38 OECD-Staaten fördern Forschung und Entwicklung über das Steuersystem. Deutschland hat die Forschungszulage erst 2020 eingeführt und holt seitdem auf. Was können wir von Frankreich, UK, Österreich und anderen lernen?
OECD-Staaten mit FuE-Steuerförderung
Fördersatz in Frankreich (CIR)
Fördersatz in Deutschland (KMU, ab 2026)
Forschungsprämie in Österreich
FuE-Intensität
FuE-Ausgaben im Ländervergleich
Wie viel ein Land in Forschung und Entwicklung investiert, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, ist ein Indikator für Innovationskraft. Deutschland liegt mit 3,13% über dem OECD-Durchschnitt, aber hinter den Spitzenreitern Israel (5,56%) und Südkorea (4,94%).
Quelle: Eurostat, Dataset rd_e_gerdtot, 2023; OECD Main Science and Technology Indicators, 2023. Israel, UK und Kanada: OECD MSTI 2022/2023.
Instrumente und Fördersätze
Wie andere Länder FuE fördern
Die meisten OECD-Staaten nutzen steuerliche Anreize für Forschung und Entwicklung. Die Instrumente unterscheiden sich erheblich: Steuergutschriften, Sonderabzüge, Lohnsteuerermäßigungen oder Barprämien. Ein hoher Fördersatz allein sagt wenig aus, denn Bemessungsgrundlage, Deckelung und Erstattungsfähigkeit unterscheiden sich von Land zu Land.
| Land | Instrument | Fördersatz | Zielgruppe | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| FR Frankreich | Crédit d'Impôt Recherche (CIR) | 30% (bis 100 Mio. EUR), 5% darüber | Alle Unternehmen | Volumenbasis, erstattungsfähig für KMU, zusätzlich 20% CII für Innovation |
| UK Vereinigtes Königreich | Merged RDEC Scheme | 20% brutto (netto ca. 15%) | Alle Unternehmen | Seit April 2024 vereinheitlicht, ERIS (27%) für FuE-intensive KMU mit Verlust |
| NL Niederlande | WBSO (Lohnsteuerermäßigung) | 32% (bis 350.000 EUR), 16% darüber | Alle Unternehmen | Vorab-Genehmigung nötig, Startups: 50% auf erste Tranche |
| AT Österreich | Forschungsprämie | 14% als Barprämie | Alle Unternehmen | Auszahlung als Steuergutschrift, kein Gewinn nötig, FFG-Gutachten erforderlich |
| IE Irland | R&D Tax Credit | 30% (ab 2026: 35%) | Alle Unternehmen | Erstattungsfähig in Raten, kombinierbar mit 12,5% KSt-Satz |
| CA Kanada | SR&ED Tax Credit | 35% für CCPC, 15% für andere | Alle Unternehmen | 35% voll erstattungsfähig für kleine kanadische Privatunternehmen |
| BE Belgien | Lohnsteuerbefreiung + FuE-Abzug | 80% Lohnsteuerbefreiung für Forscher | Alle Unternehmen | Mehrsäulenmodell: Lohnsteuerbefreiung, Investitionsabzug, Innovationsabzug (85%) |
| KR Südkorea | R&D Tax Credit | KMU: 25%, Große: 0 bis 2% | Alle Unternehmen | Zusätzlich inkrementeller Kredit bis 50%, höchste staatliche FuE-Förderquote der OECD |
| DE Deutschland | Forschungszulage (FZulG) | 25% (ab 2026: 35% für KMU) | Alle Unternehmen | Eigenleistung förderfähig, rückwirkend bis 4 Jahre, BSFZ-Bescheinigung nötig |
| US USA | R&D Tax Credit (IRC §41) | ca. 6 bis 10% effektiv | Alle Unternehmen | Startups können gegen Lohnsteuer verrechnen, komplexe Berechnung, nicht erstattungsfähig |
| JP Japan | R&D Tax Credit | 2 bis 14% (volumenbasiert) | Alle Unternehmen | Satz steigt mit FuE-Intensität, Obergrenze bei 25% der KSt-Schuld, Open Innovation Bonus |
Quellen: OECD INNOTAX Portal, 2024/2025; EY Worldwide R&D Incentives Reference Guide; PwC Tax Summaries; RDP Associates R&D Tax Credits Comparison, 2025. Fördersätze gerundet, Vereinfachungen möglich.
Einordnung
Deutschlands Forschungszulage im Vergleich
Die Forschungszulage ist Deutschlands erstes steuerliches FuE-Förderinstrument. Seit 2020 in Kraft, wurde sie 2024 und 2026 angehoben. Im internationalen Vergleich zeigt sich: Deutschland hat Stärken, die kaum ein anderes Land bietet, aber auch Nachholbedarf.
Was Deutschland besser macht
Eigenleistung wird gefördert
Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen der Eigentümer seine eigene Arbeitszeit als FuE-Aufwand geltend machen kann. In Frankreich, UK oder den Niederlanden zählen nur Personalkosten für Angestellte.
Rückwirkend beantragbar
Du kannst FuE-Projekte bis zu vier Jahre rückwirkend einreichen. In den meisten anderen Ländern musst du Projekte vorab anmelden oder im laufenden Steuerjahr geltend machen.
Keine Mindestgröße, keine Branchenbeschränkung
Die Forschungszulage steht jedem Steuerpflichtigen offen, vom Solo-Selbständigen bis zum Konzern. In vielen Ländern gelten Mindestausgaben oder Branchenfilter.
Rechtsanspruch statt Ermessen
Wer die Voraussetzungen erfüllt, bekommt die Zulage. Es gibt kein Budget, das aufgebraucht sein kann. In vielen Förderprogrammen weltweit entscheidet eine Jury oder ein Budget-Rahmen.
Was andere besser machen
Niedrigerer Fördersatz als viele Nachbarn
Mit 25% (35% für KMU ab 2026) liegt Deutschland unter Frankreich (30%), Irland (30%) oder Kanada (35%). Die Anhebung auf 35% für KMU ist ein Schritt, aber noch nicht auf dem Niveau der Spitzenreiter.
Zweistufiges Verfahren
Das Bescheinigungsverfahren bei der BSFZ und die anschließende steuerliche Geltendmachung beim Finanzamt machen den Prozess aufwendiger als in den Niederlanden (ein Antrag bei der RVO) oder Frankreich (Selbstdeklaration).
Deckelung der Bemessungsgrundlage
Die Forschungszulage ist auf eine Bemessungsgrundlage von 4 Mio. EUR (ab 2026: 12 Mio. EUR) pro Wirtschaftsjahr gedeckelt. In Frankreich gilt die 30%-Rate bis 100 Mio. EUR.
Noch jung und wenig bekannt
Die Forschungszulage gibt es erst seit 2020. Frankreichs CIR läuft seit 1983, das britische System seit 2000. Viele Selbständige in Deutschland wissen noch nicht, dass sie Anspruch haben.
Kontext: Ein direkter Vergleich der Fördersätze greift zu kurz. Frankreichs 30% beziehen sich auf alle FuE-Kosten (Personal, Material, Abschreibungen). Deutschlands 25% (bzw. 35% für KMU) werden auf die förderfähige Bemessungsgrundlage angewendet, die bei Eigenleistung pauschal berechnet wird. Die Niederlande fördern über Lohnsteuernachlass, Belgien kombiniert mehrere Instrumente. Entscheidend ist am Ende, wie viel Euro beim Unternehmen ankommen, und das hängt von der individuellen Situation ab.
Für Selbständige in Deutschland
Was das für dich bedeutet
42 EUR pro Stunde (ab 2026 für KMU) klingt bescheiden neben 30% in Frankreich. Aber der Vergleich hinkt: In Frankreich, UK und den Niederlanden können Solo-Selbständige ihre eigene Arbeitszeit in der Regel nicht als FuE-Aufwand geltend machen. Dort zählen nur Personalkosten für Angestellte.
Die Eigenleistung ist Deutschlands Alleinstellungsmerkmal. Als Selbständiger rechnest du deine eigenen FuE-Stunden ab, pauschal mit 70 EUR/h (bis 2025) bzw. 100 EUR/h (ab 2026), zzgl. 20% Gemeinkostenzuschlag. Das gibt es so in keinem der großen Vergleichsländer.
Rückwirkend bis zu vier Jahre. Wer erst jetzt von der Forschungszulage erfährt, kann Projekte seit 2022 einreichen. In Frankreich muss der CIR im laufenden Steuerjahr deklariert werden, in den Niederlanden braucht die WBSO eine Vorab-Genehmigung vor Projektstart.
Rechtsanspruch statt Ermessen. Die Forschungszulage ist kein Fördertopf mit begrenztem Budget. Wenn dein Projekt die FuE-Kriterien erfüllt, steht dir die Zulage zu. Das macht die Planung verlässlich.
Rechenbeispiel: Selbständiger Softwareentwickler
Berechnung: 1.200 h x 100 EUR x 1,2 GK x 35% = 50.400 EUR pro Jahr. Bei rückwirkender Einreichung für mehrere Jahre potenziert sich der Betrag. Der Förderrechner zeigt dir dein individuelles Ergebnis.
Zum Vergleich: Was bekäme ein Solo-Selbständiger anderswo?
Frankreich: Der CIR fördert keine Eigenleistung. Ohne Angestellte mit FuE-Tätigkeit: 0 EUR.
Vereinigtes Königreich: Das RDEC-Scheme gilt nur für Kapitalgesellschaften. Solo-Selbständige: 0 EUR.
Niederlande: Die WBSO reduziert Lohnsteuer für Angestellte. Solo-Selbständige: eingeschränkt über Abzug vom Gewinn (ca. 12.000 EUR max.).
Deutschland: Forschungszulage mit Eigenleistung: 50.400 EUR im Beispiel oben.
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Quellen und Methodik
FuE-Ausgaben in % des BIP: Eurostat, Dataset rd_e_gerdtot, aktualisiert am 18.03.2026, Daten für 2023. Israel: OECD Main Science and Technology Indicators (MSTI), 2022. UK und Kanada: OECD MSTI, 2022/2023. OECD-Durchschnitt: OECD Science, Technology and Innovation Outlook 2023.
Förderinstrumente und Fördersätze: OECD INNOTAX Portal (stip.oecd.org/innotax), 2024/2025 Edition; OECD R&D Tax Incentives Database, 2025 Edition; EY Worldwide R&D Incentives Reference Guide; PwC Worldwide Tax Summaries; RDP Associates R&D Tax Credits Comparison (2025); WTS Global R&D Tax Allowance in Europe.
Länderspezifisch: Frankreich CIR: Ministère de l'Enseignement Supérieur et de la Recherche. UK RDEC: HMRC R&D Tax Credits Statistics. Niederlande WBSO: Rijksdienst voor Ondernemend Nederland (RVO). Österreich Forschungsprämie: FFG und BMF. Deutschland Forschungszulage: FZulG in der Fassung vom 01.01.2026.
Hinweis: Fördersätze wurden vereinfacht dargestellt. Die tatsächliche Förderung hängt von vielen Faktoren ab (Unternehmensgröße, Rechtsform, förderfähige Kostenarten, Deckelungen). Dieser Vergleich ersetzt keine individuelle Beratung und stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar.