Ingenieur analysiert FEM-Simulation am Monitor im Büro

Forschungszulage für Ingenieurbüros: Wo Berechnung zu FuE wird

Als Ingenieur kennst du den Unterschied zwischen einer Standardberechnung nach DIN und der Entwicklung eines eigenen Berechnungsverfahrens. Genau an dieser Grenze beginnt die Forschungszulage. Nicht jede Planung ist FuE. Aber wenn du eigene Simulationsmodelle baust, parametrische Optimierungen entwickelst oder neue Verfahren erprobst, hast du wahrscheinlich Anspruch.

Standardberechnung vs. FuE: Wo liegt die Grenze?

Die BSFZ unterscheidet zwischen der Anwendung bekannter Verfahren und der Entwicklung neuer Ansätze. Die folgende Übersicht zeigt, wo die Grenze in der Praxis verläuft:

Standard (keine FuE)

Grauzone

Eindeutig FuE

Tragwerksplanung

Statikberechnung nach Eurocode

Optimierung

Parametrische Strukturoptimierung

Neues Verfahren

Eigenes Berechnungsverfahren für neuartige Verbundkonstruktionen

Brandschutz

Brandschutznachweis nach DIN 4102

Simulation

CFD-Brandsimulation mit angepassten Parametern

Eigenes Modell

Eigenes Rauchausbreitungsmodell für Sonderbauformen

TGA-Planung

Heizlastberechnung nach VDI 6007

Energiekonzept

Sektorenkopplung mit eigenem Regelungskonzept

Eigener Algorithmus

Prädiktiver Algorithmus für Lastmanagement in Quartieren

Maschinenbau

FEM-Berechnung mit Standardsoftware

Erweiterung

Eigene Materialmodelle für FEM-Simulation

Neuentwicklung

Multiphysik-Simulationskopplung für Werkzeugauslegung

Elektrotechnik

Schaltschrankplanung nach VDE

Steuerung

SPS-Programmierung mit eigener Regellogik

Eigenes System

Predictive-Maintenance-System mit eigenem ML-Modell

Die Faustregel: Sobald du die Norm verlässt, weil sie dein Problem nicht abdeckt, und stattdessen etwas Eigenes entwickelst, bist du potenziell im FuE-Bereich. Die BSFZ will sehen, dass du etwas tust, das über die Anwendung bekannter Methoden hinausgeht.

FuE nach Ingenieurdisziplin

Bauingenieurwesen

Die FuE-Grenze liegt dort, wo Eurocode und DIN aufhören.

  • Eigene Berechnungsverfahren für Verbundkonstruktionen
  • Parametrische Tragwerksoptimierung mit eigenem Algorithmus
  • Monitoring-System für Bestandsbauwerke mit eigener Sensorik

Maschinenbau

FuE beginnt bei eigenen Materialmodellen und Simulationskopplungen.

  • Eigene Materialmodelle für nichtlineare FEM-Simulation
  • Multiphysik-Kopplung (Thermik, Mechanik, Strömung)
  • Prüfstandentwicklung mit eigener Messtechnik

Elektrotechnik / Automatisierung

FuE beginnt, wenn deine Steuerung mehr tut als die Standardbausteine hergeben.

  • Eigene Regelungsalgorithmen für nichtlineare Prozesse
  • Predictive-Maintenance-Modelle mit Maschinellem Lernen
  • Eigenes Kommunikationsprotokoll für Echtzeitsysteme

Verfahrenstechnik / Energie

FuE entsteht bei Prozessmodellierung jenseits der Standardsimulation.

  • Eigene Prozessmodelle für nicht standardisierte Reaktionsbedingungen
  • Algorithmus zur Lastprognose in Energienetzen
  • Simulationsgestützte Anlagenauslegung mit neuen Randbedingungen

Warum Ingenieurbüros die Forschungszulage übersehen

Ingenieure sind Pragmatiker. Sie lösen Probleme und gehen zum nächsten über. Die Entwicklung eines eigenen Berechnungsverfahrens wird als "notwendig" abgehakt, nicht als Innovation gefeiert. Aber genau diese pragmatische Innovationsarbeit ist es, die die BSFZ fördern will.

Ein zweiter Grund: Viele Ingenieure glauben, dass nur grundlagennahe Forschung förderfähig sei. Das ist falsch. Die Forschungszulage fördert experimentelle Entwicklung genauso wie angewandte Forschung. Wenn du ein Simulationsmodell baust und nicht sicher bist, ob es valide Ergebnisse liefert, ist das experimentelle Entwicklung.

Rechenbeispiel: Ingenieurbüro mit 2 Partnern (GbR)

Zwei Bauingenieure betreiben eine GbR. Gemeinsam entwickeln sie ein Berechnungsverfahren für parametrisch optimierte Holz-Stahl-Verbundträger. Jeder Partner investiert 1.200 Stunden in Konzeption, Modellierung, Validierung und Iteration. Die Bemessungsgrundlage wird für jeden Partner separat berechnet.

FuE-Stunden pro Partner 1.200 h
Pauschaler Stundensatz 70 EUR/h
Bemessungsgrundlage pro Partner 84.000 EUR
Bemessungsgrundlage gesamt 168.000 EUR
Forschungszulage (35%) 58.800 EUR

Berechnung: 2 x 1.200 h x 70 EUR x 35% = 58.800 EUR. Bei einer GbR bringt jeder Gesellschafter seine Eigenleistung separat ein.

GbR und Partnerschaftsgesellschaft: Doppelter Hebel

Das Besondere an Personengesellschaften: Jeder Gesellschafter bringt seine eigene FuE-Eigenleistung ein. In einer GbR oder Partnerschaftsgesellschaft mit zwei Ingenieuren, die am selben FuE-Projekt arbeiten, wird die Bemessungsgrundlage für jeden Partner separat berechnet. Das verdoppelt die mögliche Förderung gegenüber einem Einzelunternehmer.

Die Eigenleistung jedes Gesellschafters wird mit dem pauschalen Stundensatz von 70 EUR/h bewertet. Die Gewinnverteilung spielt für die Bemessungsgrundlage keine Rolle, entscheidend ist die tatsächliche FuE-Arbeitszeit jedes Partners.

Rückwirkend beantragen: CAD, FEM, Simulationsdaten als Nachweis

Ingenieurbüros haben einen großen Vorteil bei rückwirkenden Anträgen: Die Dokumentation existiert oft schon. CAD-Dateien mit Versionierung, FEM-Berechnungsprotokolle, Simulationsergebnisse, Prüfberichte und Projektkorrespondenz bilden einen tragfähigen Nachweis. Rückwirkende Anträge sind bis zu vier Jahre möglich.

Mein Angebot für Ingenieurbüros

Ich spreche die Sprache von Ingenieuren und weiß, wo die Grenze zwischen Normberechnung und Eigenentwicklung verläuft. Ich formuliere deinen BSFZ-Antrag so, dass die technische Innovationsleistung sichtbar wird, ohne in akademische Floskeln zu verfallen. Pragmatisch und zielgerichtet.

Kosten: 0 EUR upfront. 15% der ausgezahlten Forschungszulage als Erfolgshonorar. Wird nichts ausgezahlt, zahlst du nichts.

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Häufig gestellte Fragen

Ist eine DIN-Berechnung mit eigenen Anpassungen FuE?
Es kommt auf den Umfang der Anpassung an. Wenn du Parameter innerhalb der Norm variierst, ist das Standardplanung. Wenn du aber ein eigenes Berechnungsverfahren entwickelst, weil die Norm deinen Fall nicht abdeckt, bist du im FuE-Bereich. Die Grenze liegt bei der Frage: Gibt es dein Verfahren schon oder hast du es selbst entwickelt?
Zählt CAD-Arbeit als FuE?
CAD-Arbeit allein ist keine FuE. Wenn du aber im Rahmen einer Eigenentwicklung CAD einsetzt, um ein neuartiges Bauteil zu konstruieren und zu optimieren, fließt diese Zeit in die FuE-Stunden ein. Der CAD-Einsatz muss Teil eines übergeordneten Entwicklungsprojekts mit technischer Unwägbarkeit sein.
Ich bin Sachverständiger. Kann ich FuE betreiben?
Ja. Auch Sachverständige entwickeln eigene Prüf- und Bewertungsmethoden. Wenn du ein eigenes Bewertungsverfahren für Schadensanalysen baust oder ein Messtechnik-Setup für nicht normierte Prüfungen entwickelst, ist das förderfähige FuE.
Was ist mit FEM-Simulationen?
Die reine Anwendung von FEM-Software (ANSYS, Abaqus, RFEM) auf Standardprobleme ist keine FuE. Wenn du aber eigene Materialmodelle implementierst, Multiphysik-Kopplungen entwickelst oder Validierungsverfahren für nicht standardisierte Belastungsfälle erarbeitest, ist das FuE.
Wir sind eine GbR mit 3 Partnern. Wie wird gerechnet?
Jeder Gesellschafter bringt seine eigene FuE-Eigenleistung ein. Bei drei Partnern mit je 800 FuE-Stunden ergibt sich: 3 x 800 h x 70 EUR = 168.000 EUR Bemessungsgrundlage, also 58.800 EUR Forschungszulage (35%). Die Gewinnverteilung ist irrelevant, entscheidend ist die tatsächliche FuE-Arbeitszeit jedes Partners.
Muss ich mein Verfahren patentieren lassen?
Nein. Die Forschungszulage verlangt kein Patent und keine Veröffentlichung. Dein Berechnungsverfahren muss für die Branche neu sein und darf nicht trivial aus bestehenden Normen ableitbar sein. Ob du es publizierst oder patentierst, ist deine Entscheidung, keine Fördervoraussetzung.
Kann ich als Einzelunternehmer auch ohne Mitarbeiter beantragen?
Ja. Als Einzelunternehmer wird deine eigene Arbeitszeit in FuE-Projekten mit 70 EUR pro Stunde bewertet. Du brauchst weder Mitarbeiter noch ein Team. Deine persönliche Entwicklungsarbeit reicht als Bemessungsgrundlage.
Wie grenze ich Projektarbeit von FuE ab?
Planungsleistungen nach HOAI, Bauleitung und Standardberechnungen sind keine FuE. FuE ist der Teil deiner Arbeit, in dem du etwas Neues entwickelst: ein eigenes Verfahren, ein Simulationsmodell, eine Methode. Die Abgrenzung erfolgt über den Anteil der Eigenentwicklung an deiner Gesamtarbeitszeit.
Ich habe noch kein Gewerbe angemeldet. Kann ich trotzdem beantragen?
Ja. Wenn du bereits mit Gewinnerzielungsabsicht als freiberuflicher Ingenieur FuE-Leistungen erbracht hast, kannst du dein Einzelunternehmen rückwirkend beim Finanzamt anmelden und die Forschungszulage beantragen, sogar rückwirkend bis 2022.

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