Forschungszulage für Software-Entwickler: Was zählt als FuE?
Softwareentwicklung und Forschungszulage. Für viele Entwickler klingt das widersprüchlich. “Ich forsche doch nicht, ich programmiere.” Das stimmt nicht ganz. Viele typische Entwickler-Tätigkeiten erfüllen die FuE-Kriterien des Forschungszulagengesetzes (FZulG).
Die Abgrenzung: FuE vs. Routinearbeit
Nicht jede Zeile Code ist FuE. Die entscheidende Frage: Arbeitest du an etwas Neuartigem, dessen Ausgang technisch unsicher ist?
Das ist FuE:
- Du entwickelst einen eigenen Algorithmus für ein spezifisches Problem
- Du baust eine neue Software-Architektur, die es so nicht gibt
- Du trainierst eigene KI/ML-Modelle mit ungewissem Ergebnis
- Du entwirfst ein neues Framework oder eine Bibliothek
- Du implementierst Echtzeit-Funktionalität mit neuen Ansätzen
- Du entwickelst neue Datenstrukturen für spezifische Anforderungen
- Du löst Skalierungsprobleme mit neuartigen Methoden
Das ist keine FuE:
- Standard-Website auf Basis von WordPress oder Shopify
- Konfiguration von SaaS-Produkten (Salesforce, HubSpot)
- Bug-Fixing und Wartung bestehender Software
- Migration auf eine neue Plattform ohne eigene Entwicklung
- UI-Redesign ohne technische Innovation
- Standard-API-Integration
- Deployment und DevOps-Routinearbeit
Drei konkrete Szenarien
Szenario 1: SaaS-Entwickler mit eigenem Produkt
Du baust eine Projektmanagement-App mit Echtzeit-Kollaboration. Du entwickelst einen eigenen CRDT-Algorithmus für Offline-Sync und ein neues Permission-System auf Basis von Capability-Tokens.
FuE-Anteil: Hoch. Der CRDT-Algorithmus und das Permission-System sind neuartig und technisch unsicher. Geschätzte Förderung (1.800h, 35% KMU, ab 2026): ca. 75.600 EUR/Jahr.
Szenario 2: Freelance-Entwickler mit Kundenprojekten
Du entwickelst für einen Kunden eine Analyseplattform. Die Herausforderung: Verarbeitung von 10 Mio. Datensätzen in unter 2 Sekunden. Du entwickelst eine eigene Indexing-Strategie und optimierst die Query-Engine.
FuE-Anteil: Mittel. Die Indexing-Strategie und Query-Optimierung sind FuE. Standard-Frontend und API-Anbindung nicht. Geschätzte Förderung (800h FuE, 35% KMU, ab 2026): ca. 33.600 EUR/Jahr.
Szenario 3: Agentur-GbR mit eigenen Tools
Zwei Entwickler in einer GbR bauen interne Tools: ein eigenes CMS mit visueller Drag-and-Drop-Editierung und ein automatisiertes Testframework für Cross-Browser-Kompatibilität.
FuE-Anteil: Hoch. Beide Tools sind Eigenentwicklungen mit technischen Risiken. Geschätzte Förderung (2 x 1.200h, 35% KMU, ab 2026): ca. 100.800 EUR/Jahr.
Git als Nachweis
Ein großer Vorteil für Softwareentwickler: Git-Commits sind ein hervorragender Nachweis für FuE-Arbeit. Die Commit-History dokumentiert automatisch:
- Wann du gearbeitet hast (Zeitstempel)
- Woran du gearbeitet hast (Commit-Messages, Branches)
- Wie sich die Lösung entwickelt hat (Diff-History)
In Kombination mit einer Stundendokumentation bilden Git-Commits eine solide Nachweisbasis für die Forschungszulage.
Typische Fehler bei IT-Anträgen
- Zu vage formulieren: “Wir haben eine App entwickelt” reicht nicht. Beschreibe die konkrete technische Herausforderung.
- Wirtschaftliche Risiken nennen: Die BSFZ prüft technische Risiken. “Der Markt ist unsicher” zählt nicht.
- Alles als FuE deklarieren: Sei ehrlich bei der Abgrenzung. Nur der FuE-Anteil zählt.
- Standard-Frameworks als Innovation verkaufen: React einsetzen ist keine FuE. Ein eigenes Rendering-System bauen schon.
Nächster Schritt
Wenn du als Softwareentwickler wissen willst, ob deine Arbeit förderfähig ist, mach den QuickCheck oder schreib mir direkt. Ich verstehe die Technik und kann schnell einschätzen, was FuE ist und was nicht.
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Martin Meng
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